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Prothesenversorgung nach Oberschenkelamputation

Bei einer Oberschenkelamputation wird das Femur (Oberschenkelknochen) durchtrennt, d.h. Unterschenkel, Knie, der Oberschenkel und die Weichteile werden bis unterhalb der Amputationslinie abgenommen. Ziel ist es hierbei, eine möglichst optimal Stumpflänge in Hinblick auf Funktionalität zu erhalten. Es entsteht ein Stumpf, der nicht endbelastbar ist. Die Lastübertragung verteilt sich auf den Sitzbeinknochen und die Weichteile des Stumpfes.

Die Orthopädietechnik bietet heute umfassende Möglichkeiten der prothetischen Versorgung, die Auswahl der Komponenten muss sich dabei an den individuellen Möglichkeiten (siehe Mobilitätsgrade) Ansprüchen und des Patienten orientieren. Kernstück jeder Prothese ist immer ein optimal sitzender Schaft. Moderne Oberschenkelprothesen werden heutzutage auch als wasserfeste Gehhilfe, eine sogenannte Badeprothese, gebaut.

Aufbau der Prothese

Prothesenschaft

Der Prothesenschaft ist das Bindeglied zwischen Körper und der Prothese. Er hat die Aufgabe, den Amputationsstumpf aufzunehmen und alle, für das Laufen notwendige Kräfte zu übertragen.

Querovaler Schaft:

  • bei dieser Schaftform sitzt das Sitzbein auf dem hinteren Schaftrand, wo das Gewicht des Körpers abgefangen wird
  • der Stumpf wird von allen Seiten vom Schaft umschlossen und gleichmäßig komprimiert

Längsovaler Schaft:

  • das Körpergewicht wird von der gesamten Stumpfoberfläche getragen
  • das Sitzbein wird vom Prothesenschaft umschlossen, dadurch kommt es nicht zum ungewohnten „Aufsitzen" auf dem Sitzbein
  • bei dieser Variante ist es besonders wichtig, dass das Volumen des Schaftes exakt mit dem des Stumpfes übereinstimmt
  • durch diese Bettung des Stumpfes wird der seitliche Halt verstärkt
  • es findet eine knöcherne Verriegelung statt, durch die der Stumpf nicht mehr nach außen abwandern kann
  • durch die längsovale Schaftform kann der Patient die Prothese deutlich besser kontrollieren

M.A.S.-Schaft:

  • dieser sitzbeinumgreifende Schaft wurde von Marlo Ortiz entwickelt
  • die Lastaufnahme erfolgt ausschließlich über den Stumpf
  • zeichnet sich besonders durch die diagonale Verklammerung der knöchernen und muskulären Anteile aus
  • diese Schaftart ermöglicht dem Patienten eine bessere Steuerung der Prothese und eine höhere Bewegungsfreiheit im Hüftgelenk
  • da die Gesäßmuskulatur beim M.A.S. Schaft vollständig freigelegt ist, ist das Sitzen deutlich erleichtert

Kniegelenk

Die Steuerung der Schwungphase kann mechanisch, pneumatisch oder hydraulisch geregelt werden.

Monozentrische Kniegelenke:

  • einachsige Gelenke
  • gibt es als Feststell-, Bremsknie- und elektronisch gesteuerte Kniegelenke
  • Feststellgelenke, für Patienten mit hohem Sicherheitsbedürfnis, das Gelenk wird nur zum Sitzen entriegelt
  • Bremskniegelenke, das Gelenk wird bei Belastung verriegelt und ist bei Entlastung frei beweglich
  • elektronisch gesteuerte Kniegelenke, geben dem Patienten ein Höchstmaß an Sicherheit und Komfort

Polyzentrische Kniegelenke:

  • diese Art von Kniegelenk hat mehrere Achsen, diese sichern die Standphase und erleichtern das Durchschwingen des Unterschenkels

Elektronisch gesteuertes und aktiv motorbetriebenes Kniegelenk:

  • unterstützen den Patienten aktiv beim Treppensteigen und bei Anstiegen

Prothesenfuß

Der Fuß ist die Basis jeder Prothese und hat aufgrund dieser Eigenschaft einen großen Einfluss auf die Dynamik. Grundsätzlich gibt es vier verschiedene Typen von Prothesenfüßen: den gelenklosen fest verschraubten Fuß, den Gelenkfuß, den energierückgebenden Fuß und den elektronisch gesteuerten Fuß.

Gelenklose Füße:

  • Beweglichkeit wird durch die im Fuß verwendeten Kunststoffe erreicht

Gelenkfüße:

  • Beweglichkeit wird durch ein eingebautes Gelenk und einen Puffer ermöglicht

Energierückgebende Füße:

  • Carbonkonstuktionen
  • die beim Abrollen eingebrachte Energie wird am Ende der Standphase wieder abgegeben (Energierückgabe)
  • stoßdämpfende Wirkung ist meist ebenfalls vorhanden

Elektronisch gesteuerte Füße:

  • selbstständige Einstellung auf verschiedene Bewegungssituationen und/oder Absatzhöhen

Ihr Ansprechpartner

Christina Kolbe
Teamleiterin 
Ortopädie-Technik
Tel. (0361) 4377-0
c.kolbe@bos-erfurt.de

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