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Ablauf einer prothetischen Versorgung

Der Einsatz einer Prothese wird nach einer Amputation, d.h. einer vollständigen oder teilweisen Entfernung eines Körperteils, notwenig. Die postoperative Versorgung wird in der Regel nach einem immer gleichen Schema durchgeführt.

Nach der Amputation steht primär die Stumpfbehandlung im Vordergrund. Dies beinhaltet sowohl die Wundpflege, die Stumpfformung mittels Kompressionsstrumpf bzw. -bandage als auch die Lymphdrainage, um das Stumpfödem zu reduzieren.

Ist die Wundheilung abgeschlossen, erfolgt die erste Versorgung mit einer Interimsprothese, um möglichst schnell ein Höchstmaß an Mobilität im Alltag sicher zu stellen. Der Orthopädietechniker stellt das Prothesensystem genau nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten in Bezug auf Sicherheit, Aussehen und Aktivitätsgrad zusammen.

Die Prothese ist heute viel mehr als ein Ersatzteil für den menschlichen Körper. Aus den simplen Holzkonstruktionen der Vergangenheit sind innovative Hightech-Systeme geworden, die den Amputierten ein Höchstmaß an Mobilität und Sicherheit bieten.

Mobilitätsgrade bei Prothesen der unteren Extremitäten

Mobilitätsgrade beschreiben das Therapieziel unter Berücksichtigung der aktuellen und zu erwartenden Fähigkeiten des Patienten. Eine fixe Zuordnung von Patienten ist oftmals nicht möglich, da sich im Laufe der Zeit die Ist-Situation verändert. Eine regelmäßige Überwachung ist darum wichtig. Mobilitätsgrade dienen als Hilfe bei der Prothesenwahl - wobei der Patient mit seinen individuellen Bedürfnissen und Anforderungen immer im Mittelpunkt steht.

 

Mobilitätsgrad 0: NICHT GEHFÄHIG

Der Patient besitzt auf Grund seines psychischen und physischen Zustands auch mit fremder Hilfe nicht die Fähigkeit, sich mit einer Prothese fortzubewegen. Er kann sie jedoch für Transferzwecke nutzen.

Therapieziel: kosmetische Versorgung

 

Mobilitätsgrad 1: INNENBEREICHSGEHER

Ein langsames Laufen bei gleichmäßiger Geschwindigkeit auf ebenem Boden ist möglich. Teilweise ist der Patient auf Hilfe angewiesen (z.B. Gehhilfen).

Therapieziel: sicheres Stehen mit der Prothese und Laufen von kleineren Strecken im Innenbereich

 

Mobilitätsgrad 2: EINGESCHRÄNKTER AUSSENBEREICHSGEHER

Der Patient kann auf einem vorwiegend ebenen Terrain bei gleichmäßiger Geschwindigkeit langsam gehen. Kleinere Hindernisse wie z.B. der Bordstein oder einzelne Stufen werden gemeistert und ein selbstständiges Handling ist möglich.

Therapieziel: sicheres Zurücklegen von kürzeren Strecken im Außen- und Innenbereich

 

Mobilitätsgrad 3: UNEINGESCHRÄNKTER AUSSENBEREICHSGEHER

Der Patient kann mit variabler Geschwindigkeit auf wechselndem Terrain unter höherer Beanspruchung laufen.
Therapieziel: Steigerung der Mobilität im Innen- und Außenbereich, so dass sich der Patient nur unwesentlich von einem Nichtamputierten unterscheidet

 

Mobilitätsgrad 4: UNEINGESCHRÄNKTER AUSSENBEREICHSGEHER MIT BESONDERS HOHEN ANSPRÜCHEN

Der Patient kann sich mit variabler Geschwindigkeit auf wechselndem Terrain unter höchster Beanspruchung (z. B. Sport) bewegen.

Therapieziel: Wiederherstellung der uneingeschränkten Beweglichkeit im Innen- als auch Außenbereich


Ihr Ansprechpartner

Christina Kolbe
Teamleiterin 
Orthopädie-Technik
Tel. (0361) 4377-0
c.kolbe@bos-erfurt.de

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