Neuroorthopädie – für ein Höchstmaß an Funktionsfähigkeit und Selbstständigkeit.

Neuroorthopädie

Der Bereich der Neuroorthopädie befasst sich mit der Versorgung von Patienten mit neurologischen Krankheitsbildern. Erkrankungen des Nervensystems ziehen verschiedene sensomotorische Probleme nach sich, die wiederum Veränderungen am Bewegungs- und Haltungsapparat sowie orthopädische Folgeschäden verursachen können. Wir verstehen unsere Aufgabe darin, den Rehabilitationsprozess in Zusammenarbeit mit den Therapeuten und Ärzten durch individuell abgestimmte Hilfsmittel gezielt zu fördern und zu unterstützen. Hierbei haben wir eine ganzheitliche Versorgung im Blick, um trotz neurologischer Störungen ein Höchstmaß an Funktionsfähigkeit und Selbstständigkeit zu ermöglichen.

Krankheitsbilder in der Neuroorthopädie

  • Schlaganfall
  • Multiple Sklerose
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Zerebralparese
  • Inkomplette Rückenmarksverletzungen

Ihr Ansprechpartner

Christina Kolbe
Teamleiterin Orthopädietechnik

Diplom-Orthopädietechnikermeisterin

Ronny Gerstenberger
stellv. Teamleiter Orthopädietechnik

Diplom-Orthopädietechnikermeister

E-Mail: ot@bos-erfurt.de
Tel: (0361) 4377-120

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COMPUTERGESTEUERTE ORTHESENSYSTEME

Computergesteuerte Orthesen unterstützen den Patienten aktiv in der Bewegung. Integrierte Sensoren messen permanent, in welcher Bewegungsphase sich der Anwender gerade befindet und passen exakt die Gelenkfunktion der Orthese an.

C-Brace Beinorthese (Ottobock)

Bei der C-Brace Beinorthese handelt es sich um ein mikroprozessorgesteuertes Orthesensystem, welches sowohl die Stand-, als auch die Schwungphase regelt (SSCO – Stance and Swing Phase Control Orthesis). Die Orthese unterstützt den gesamten Gangzyklus und fordert geringen Kraftaufwand vom Anwender. Durch die individuellen Einstellungsmöglichkeiten und die Bewegungserkennung passt sich die Orthese optimal jeder Alltagssituation an und garantiert ein Höchstmaß an Bewegungsfreiheit. Unsere zertifizierten Orthopädietechniker können mithilfe einer diagnostischen Testorthese gemeinsam mit Ihnen herausfinden, ob das C-Brace Orthesensystem für Sie geeignet ist.

MyoPro Armorthese (Myomo)

Die MyoPro ist eine myoelektrische Orthese für Patienten mit hochgradigen Armparesen. Die Orthese bringt den gelähmten Arm durch einen miniaturisierten Elektromotor in die gewünschte Beuge- oder Streckposition. Sensoren erfassen hierzu die vorhandenen Muskelbewegungen und nutzen diese als Signal, um den Elektromotor individuell zu steuern. Damit kann der Patient igenständig den Zeitpunkt, das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Bewegung kontrollieren.

FES (FUNKTIONELLE ELEKTROSTIMULATION)

Unter funktioneller Elektrostimulation versteht man die Aktivierung der Muskulatur durch Ansteuerung der Nerven durch auf der Haut liegende Elektroden. FES-Systeme steuern gezielt Nerven an, welche vom zentralen Nervensystem nicht mehr erreicht werden. Der in seiner Intensität auf den Patienten und die Situation abgestimmte elektrische Impuls wird an den jeweiligen Muskel weitergeleitet, wodurch eine Aktivierung erzielt und damit eine Bewegung initiiert wird. Darüber hinaus können unphysiologische Bewegungen verringert oder vermieden werden.

Mollii-Anzug (Mollii)

Bei dem sogenannten Mollii-Anzug handelt es sich um ein Multi-Pad-Elektroden-System bestehend aus 58 Elektroden, welche die Skelettmuskeln stimulieren. Dadurch wird bei ausgewählten Muskelpaaren eine Grundspannung im Antagonisten eines spastischen Muskels erzeugt und eine Verbesserung des Bewegungs- und Funktionsvermögens ermöglicht.

Durch die niederfrequente Elektrostimulation entspannt Mollii die spastische, verspannte und schmerzende Muskulatur auf einfache und sichere Weise. Der Anzug wird individuell angepasst und gezielt auf die Bedürfnisse jedes Anwenders programmiert. Dadurch kann Mollii verschiedene Formen von muskulären Verkürzungen und Steifigkeiten entgegenwirken sowie Muskelkontraktionen aktivieren.

L300 Fußhebersystem (Bioness/Ottobock)

Das L300 System basiert auf der funktionellen Elektrostimulation (FES) und wird bei Patienten mit Fußhebeschwäche, z.B. nach einem Schlaganfall, eingesetzt. Es handelt sich um eine Beinmanschette mit einem Oberflächenstimulator und einer einzelnen Elektrode. Durch das System werden gezielt Nerven angesteuert, welche ein Signal an die Muskulatur im Unterschenkel weitergeben und somit die Hebung des Fußes initiieren. Durch eine Bewegungserkennung passt sich das System den Veränderungen des Gangbildes kontinuierlich an und gibt jeweils zum richtigen Zeitpunkt einen Stimulationsimpuls ab. Positiver Nebeneffekt ist das Training der Muskulatur. So können Muskeln wieder aufgebaut, Muskelschwund vermieden oder verzögert, die Gelenkbeweglichkeit erhalten und die Durchblutung gefördert werden.

Evomove (Evomotion)

Das Evomove ist ein FES-System, welches in Kombination mit individuell gefertigten Orthesen zur Anwendung kommt. Dabei werden durch die funktionelle Elektrostimulation Nerven und Muskeln gezielt angesteuert und aktiviert, gleichzeitig sorgt die Orthese für Stabilisierung und Führung. Personen, die an zentralnervösen Störungen leiden (z. B. Schlaganfall, MS oder ICP) und Ihre Muskulatur nicht mehr kontrollieren können, wird hierdurch ein natürlicherer und sicherer Gang ermöglicht.